Gold, starke Auftritte – und ein paar offene Rechnungen


Mit sechs Athletinnen und Athleten war die TSV-Leichtathletik bei den Deutschen Meisterschaften der Aktiven in Hannover und Bochum-Wattenscheid vertreten. Marec Metzger sorgte mit seinem Titel im Stabhochsprung für das große Highlight. Für die anderen TSV-Starter verlief die DM dagegen nicht immer nach Wunsch. Abteilungsleiter Toni Pscherer zieht Bilanz.
Deutsche Meisterschaften sind immer eine besondere Standortbestimmung. Hier trifft sich die nationale Spitze, hier geht es nicht nur um Zeiten, Höhen und Platzierungen, sondern auch darum, die eigene Leistung dann abzurufen, wenn es darauf ankommt. Unsere Bilanz der diesjährigen Titelkämpfe fällt entsprechend gemischt aus: Wir haben einen Deutschen Meister zu feiern, starke Leistungen gesehen, aber auch erlebt, dass im Sport nicht immer alles nach Plan läuft.
Marec Metzger krönt sich zum Deutschen Meister
Das große Highlight setzte gleich zum Auftakt Marec Metzger. Der Stabhochsprung der Männer wurde im Rahmen der Finals vor spektakulärer Kulisse auf dem Opernplatz in Hannover ausgetragen – allerdings unter alles andere als einfachen Bedingungen. Böiger Wind machte den Springern zu schaffen und sorgte für zahlreiche Fehlversuche. Marec ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Mit technisch konstanten Sprüngen und starken Nerven blieb er im Wettkampf und meisterte als einziger Athlet 5,40 Meter. Damit stand fest: Marec Metzger ist Deutscher Meister 2026 im Stabhochsprung! Ein Gänsehaut-Moment, der zeigt, wozu unsere Würmtal-Athleten fähig sind! „Der erste deutsche Meistertitel – unfassbar! Es ist noch mal etwas anderes, als in den Jugendklassen zu gewinnen. Ich bin einfach froh, dass ich zeigen konnte, was in mir steckt“, sagte Marec anschließend. Nach seinem U23-Titel ist der erste Deutsche Meistertitel bei den Männern der nächste große Schritt in seiner sportlichen Entwicklung – und natürlich auch für uns als Verein ein herausragender Erfolg.Zwischen Pech und vollem Risiko
Einen Tag später waren mit Chiara Sistermann und Lilly Samanski gleich zwei TSV-Athletinnen beim Stabhochsprung der Frauen dabei. Für Lilly war der Wettkampf leider schon beendet, bevor er richtig begonnen hatte. Sie fand bei schwierigen Windbedingungen nicht in den Wettkampf und blieb ohne gültigen Versuch. Besonders bitter: Es war ihre letzte Deutsche Meisterschaft im TSV-Trikot. Lilly wird zum Lehramtsstudium nach Potsdam ziehen und damit nach vielen Jahren auch das Team Schmidbauer verlassen. Ganz abgeschlossen ist ihre Zeit für den TSV allerdings noch nicht. Bei den Bayerischen Meisterschaften möchte sie sich noch einmal mit einem Titel verabschieden. Auch Chiara Sistermann musste zunächst zittern. Erst im dritten Versuch überwand sie ihre Einstiegshöhe – dafür allerdings mehr als deutlich. Oder, wie es unter Stabhochspringern heißt: „ein Haus über der Latte“. Bei 4,30 Metern war Chiara dann sofort im ersten Versuch erfolgreich. In einem von Wind und zahlreichen Fehlversuchen geprägten Wettkampf begann nun das taktische Spiel. Chiara hatte bereits viele Sprünge in den Beinen und musste abwägen: auf eine mögliche Medaille setzen oder die Bestätigungsnorm für die Europameisterschaften angreifen? Sie entschied sich für das größere Ziel und ließ die nächste Höhe aus. Das Risiko wurde diesmal nicht belohnt. Am Ende stand für Chiara ein fünfter Platz bei den Deutschen Meisterschaften – ein starkes Ergebnis, auch wenn an diesem Tag durchaus noch mehr möglich gewesen wäre.Irina Gorr fehlt das gewohnte Finish
Mit hohen Erwartungen war Irina Gorr über 400 Meter nach Bochum-Wattenscheid gereist. Als Viertschnellste der deutschen Jahresbestenliste und mit hervorragender Form durfte sie sich berechtigte Hoffnungen auf eine Medaille und eine neue persönliche Bestleistung machen. Im Vorlauf bestätigte sie diese Ambitionen eindrucksvoll. Irina kontrollierte ihr Rennen und gewann ihren Lauf in 52,01 Sekunden. Damit zog sie als Zweitschnellste aller Teilnehmerinnen ins Finale ein. Auch dort sah lange alles nach einem Platz auf dem Podium aus. Bis rund 100 Meter vor dem Ziel lag Irina voll auf Medaillenkurs. Doch ausgerechnet ihre sonst so starke Schlussphase funktionierte diesmal nicht wie gewohnt. Auf den letzten Metern musste sie zwei Konkurrentinnen vorbeiziehen lassen und kam in 52,10 Sekunden als Fünfte ins Ziel. Nach dem verletzungsbedingten Aus bei der DM im vergangenen Jahr ist allein die Rückkehr auf dieses Niveau ein starkes Zeichen. Dennoch war die Enttäuschung unmittelbar nach dem Rennen verständlicherweise groß. Zumal es für Irina nicht nur um die DM-Medaille ging: Auch die Nominierung für die deutsche 4x400-Meter-Staffel bei den Europameisterschaften hängt von den Leistungen dieser Saison ab. Gemeinsam auf der DM-Bühne Für das Paar Sophie Ochmann und Fabian Riegelsberger war bereits die gemeinsame Qualifikation über 400 Meter Hürden eine besondere Geschichte. Im vergangenen Jahr war Fabian bei der DM dabei, während Sophie die Qualifikation noch knapp verpasst hatte. Diesmal standen beide in ihrer Paradedisziplin auf der Bahn. Sophie hatte sich ihre DM-Teilnahme mit einer starken Saison verdient. Ihre persönliche Bestleistung steigerte sie um mehr als eine Sekunde und erfüllte die Direktnorm frühzeitig. Fabian machte es deutlich spannender und löste sein Ticket erst auf den letzten Drücker. Bei der DM konnten beide ihre eigenen Erwartungen dann nicht ganz erfüllen. Sophie belegte bei den Frauen Rang 17, Fabian bei den Männern Rang 18. Die Platzierungen ändern aber nichts daran, dass sich beide mit viel Trainingsarbeit in die nationale Spitze ihrer Disziplin vorgearbeitet haben. Darauf lässt sich aufbauen. Eine DM, die Lust auf mehr macht Unter dem Strich nehmen wir aus diesen Deutschen Meisterschaften einiges mit. Allen voran natürlich Marecs Titel. Deutscher Meister bei den Aktiven zu werden, ist etwas Besonderes – und ein toller Erfolg für Marec, seine Trainer und unsere gesamte Leichtathletik-Familie. Gleichzeitig gehören zu einer DM auch die Wettkämpfe, nach denen man weiß: Da wäre mehr drin gewesen. Chiara hat für ein großes Ziel alles riskiert, Irina war ganz nah an der Medaille, und Sophie und Fabian haben sich mit ihrer Qualifikation auf Deutschlands größter Leichtathletik-Bühne behauptet. Lilly hätten wir bei ihrer letzten DM im TSV-Trikot natürlich einen anderen Abschluss gewünscht. Genau diese Mischung gehört zum Leistungssport. Entscheidend ist, was wir daraus machen. Und dafür gibt es in den kommenden Wochen noch einige Gelegenheiten.Herzlichen Glückwunsch an alle unsere Athletinnen und Athleten – und natürlich auch an die Trainer und das gesamte Team hinter dem Team!