Mark Henne mit Bestnote in die A-Trainer-Ausbildung gestartet
Volle Punktzahl bei der ersten Theorieprüfung: TSV-Mehrkampftrainer und Sportorthopäde Dr. med. Mark Henne ist erfolgreich in die zweijährige Ausbildung zum A-Trainer Leistungssport gestartet. Inzwischen auch die erste intensive Präsenzwoche am Leistungszentrum Kaiserau absolviert. Im Interview berichtet er über die hohen Anforderungen, den Austausch mit Deutschlands Spitzentrainern und Perspektiven für den Mehrkampf.
Trainer-A – Leistungssport
Der Trainer-A Leistungssport ist die dritte Lizenzstufe der leistungssportlichen Ausbildungswege. Die Ausbildung erfolgt hier, analog dem B-Trainer Leistungssport, in den verschiedenen Disziplinblöcken Sprint/Hürde, Lauf/Gehen, Sprung, Wurf/Stoß oder Mehrkampf. Für die Zielgruppe der U23 und Erwachsenen ist der Trainer befähigt, ein Training im Anschluss- bzw. Hochleistungstraining anzubieten. Die Tätigkeit des Trainer-A Leistungssport umfasst die Gestaltung von systematischen, leistungsorientierten Trainingsprozessen in der Leichtathletik bis hin zur individuellen Höchstleistung. Schwerpunkte sind Planung, Organisation, Durchführung und Steuerung des Anschluss- bzw. Hochleistungstrainings im gewählten Disziplinblock. Verbindliche Grundlagen hierfür sind die jeweiligen Disziplinentwicklungskonzeptionen des DLV.
(Quelle: Deutscher Leichtathletikverband)
Mark Henne: Die Ausbildung hat am 02.09.2026, also einen Tag nach der deutschen Mehrkampfmeisterschaft, begonnen und dauert ganze zwei Jahre. Es ist also für mich – und meinen Mehrkampftrainerkollegen Günter Mayer – gerade erst losgegangen. Wir hatten von Anfang September bis zur ersten Präsenzwoche eine E-Learning-Phase mit Stoff über 24 Stunden reine Lernzeit. Beinhaltet waren alle theoretischen Aspekte wie Anatomie, Physiologie, Biomechanik, Techniktraining, Trainingssteuerung und -planung sowie Trainerrolle, Anti-Doping und Prävention gegen sexualisierte Gewalt. Im Anschluss mussten wir eine Prüfung ablegen, die in die Gesamtnote einfließt. Ich habe mit voller Punktzahl abgeschnitten.
Es folgte die ersten Präsenzwoche vom 07.-11.10. im Leistungszentrum Kaiserau/Kamen. Die Lerneinheiten waren da noch theoretisch dominiert und fanden größtenteils zusammen mit allen Gruppen (Sprint, Lauf, Sprung, Wurf, Mehrkampf) statt, teilweise aber auch nur in der Disziplingruppe Mehrkampf. Wir hatten Themen Trainingsadaptation, Periodisierung im Hochleistungstraining, Hochleistungstraining im Mehrkampf, Monitoring im Training, spezielle Bewegungslehre, Leistungsdiagnostik, biomechanische Analysen, Verletzungen und Verletzungsprophylaxe. Das Programm war sehr anspruchsvoll und ging jeden Tag mit Unterricht von 8 bis 21 Uhr. Nur ab und zu waren wir dabei praktisch aktiv.Wie ging es dann weiter?
Am Ende bekamen wir eine Gruppenarbeit, die wir im kommenden Jahr ausarbeiten und als Power Point Vortrag über eine halbe Stunde präsentieren müssen. Es geht um einen fiktiven Zehnkämpfer mit 7.900 Punkte Bestleistung, der nächstes Jahr auf die U23 Europameisterschaft will. Wir müssen eine komplette Jahresplanung mit Makro-, Meso- und Mikrozyklus ausarbeiten, uns Gedanken um die Trainingsplanung mit Verletzungen oder Verbesserung von Schwächen machen und dies im Team mit Günter Meyer, Verena Oppelt und einer Trainerin aus Österreich ausarbeiten.
Im Oktober 2027 folgte die zweite Präsenzwoche In Kienbaum bei Berlin. Dort müssen wir unseren Athleten präsentieren, werden befragt und danach benotet. Im November 2027 findet dann die dritte Präsenzwoche in Kienbaum statt. Hier haben wir dann unsere schriftliche Abschlussprüfung.Da klingt nach viel Lernen. Wie sieht es mit der Praxis auf dem Platz und in der Halle aus?
In den zwei Jahren müssen wir 50 Stunden Hospitation nachweisen. Diese werde ich wahrscheinlich mit den Mehrkampf-Bundestrainern in Südafrika verbringen. Ich hoffe, dass Jonas dann schon im Perspektivkader ist und mitfahren kann. Ich werde es aber kombinieren, da ich wahrscheinlich für den DLV als Orthopäde in Stellenbosch zur Verfügung stehe. Zum Schluss müssen wir noch eine mindestens zwanzigseitige Hausarbeit schreiben, über die wir dann noch mündlich geprüft werden.Welche anderen Trainerinnen und Trainer sind in deiner Ausbildungsgruppe und wie ist die Stimmung?
Um die A-Trainer-Ausbildung zu machen, musst Du vom Landeverband vorgeschlagen werden. Es waren schon einige bekannte ehemalige Athleten oder Trainer dabei. Im Mehrkampf sind unter anderem André Niklaus als ehemaliger Zehnkämpfer sowie Annett Taterra, Mittrainerin von Amadeus Gräber, dabei sowie der Vater von Svea Funck. Im Wurf sind Julia Harting (ehemalige Müller und Ehefrau von Robert Harting), Diskuswerfer Clemens Prüfer und der Geher Christopher Linke mit von der Partie. Die Stimmung war sehr gut, weil jeder jeden respektiert, seine Meinung hören will und überhaupt kein Konkurrenzdenken gibt.Du bist seit vielen Jahren ein erfahrener Mehrkampf-Trainer. Was ist in der Ausbildung wirklich neu für dich und hat dich inhaltlich weitergebracht?
Das wird sich zeigen. Ich denke, dass man immer was Neues entdeckt, dies ins Training mitnimmt und auch mit den Athleten bespricht. In der ersten Präsenzwoche gab es da für mich relativ wenig Überraschendes. Die Themen waren oft medizinisch, also für mich nichts neues. Aber trotzdem: Man findet immer einen spannenden Aspekt. Das Wichtigste aber sind das Connecten und die Gespräche abends.Warum könnte es sinnvoll sein, wenn auch andere aus dem TSV-Trainerteam deinem Beispiel folgten?
Ob eine A-Trainer-Ausbildung für viele Sinn macht, ist die Frage. Der Zeitaufwand ist sehr hoch und die Ausbildung sehr teuer. Mich kostet die Ausbildung für die zwei Jahre mit Ausbildung, Übernachtungen Essen, Fahrtkosten etc. zwischen 4.500-5.000 Euro, die ich selbst zahle. Gar nicht zu reden von dem Arbeitsausfall in meiner Orthopädie-Praxis. Ich muss ca. 20 Arbeitstage dafür einplanen. Es ist aber auch nicht zwingend notwendig. Die Ausbildung allein macht nicht zwingend einen guten Trainer aus. Trotzdem empfehle ich, sich fortzubilden, sei es durch C- oder B-Trainer-Ausbildungen, durch Fortbildungen oder durch Artikel etwa aus der Zeitschrift Leichtathletiktraining. Wir haben in Gräfelfing immer noch zu wenig (ausgebildete) Trainer, und Qualität setzt sich auf Dauer einfach durch. Für Günter und mich hat die A-Trainerausbildung neben der Optimierung unseres Trainings natürlich auch eine Wirkung nach außen. Da wir in Zukunft voraussichtlich den Stützpunkt Mehrkampf für München haben, werden wir deutschlandweit mehr gesehen.