Schneller – höher – Olympia Chiara Sistermann

Schneller – höher – Olympia



Chiara Sistermann vom Team Schmidbauer im TSV Gräfelfing zählt zu den Leistungsträgerinnen im deutschen Stabhochsprung. Die 22-Jährige greift am kommenden Freitag bei den Finals 2026 an, wenn es am Opernplatz von Hannover um die Deutsche Meisterschaft geht.

Hey Chiara, Du bist vor drei Jahren zum Studium in die USA gegangen. Was studierst du und wie verbindest du dies mit deinem Sport?
Ich absolviere gerade an der Virginia Tech University in Blacksburg den Bachelor-Studiengang Biologie. Das ist ein sogenanntes Pre-Med-Programm. Mein Ziel ist es, Ärztin zu werden. Der Studiengang ist jetzt nicht ganz so anspruchsvoll wie ein Medizinstudium. Das passt für mich sehr gut, um dies mit Leistungssport zu verbinden.
Wie sieht dein sportlicher Alltag dort aus?
Sport und Studium gehen bei uns an der Uni Hand in Hand. Ich gehe meist am Vormittag in meine Kurse und am Nachmittag dann ins Training. Unser Trainer ist da maximal entspannt. Wir können uns unsere Kurse aussuchen, wie wir es wollen und wie es für uns am besten ist. Er versucht dann, unser Training entsprechend drumrum zu basteln. Ich habe so bis auf einen Tag täglich Training, am freien Tag gefällt es mir dann, einfach mal gar nichts zu tun.
Was sind die größten Unterschiede zwischen Leistungssport hier und am College in den USA?
Sport und Studium sind hier, anders als in Deutschland, keine getrennten Welten. Unsere Profs wissen das und sind darauf eingestellt. Als ich mal für einen Wettkampf auf Tour war, konnte ich einen Test per Facetime von unterwegs aus machen. Das macht natürlich alles deutlich leichter.
Wie erlebst du deine Trainingsgruppe und welche Impulse gehen von ihr für dich aus?
Wir sind eine super Gruppe, verstehen uns auch privat sehr gut und können uns gegenseitig hervorragend pushen. Bei den Jungens springen viele über 5,50 Meter, bei den Mädels über 4,30 Meter. Das Sprinttraining absolvieren wir zusammen, das Stabtraining separat in Zweiergruppen. Da sind die Maßstäbe dann natürlich entsprechend hoch, was mich persönlich sehr motiviert.
Wo liegt gerade dein aktueller Trainingsschwerpunkt?
In der Wettkampfphase steht jetzt nichts Besonderes mehr an. Ein bisschen am Anlauf feilen und versuchen, die Geschwindigkeit konstant hochzuhalten. Alles andere ergibt sich dann. Wenn alles passt, peile ich bei den Deutschen Meisterschaften in Hannover 4,50 Meter an. Eventuell winkt dann auch noch das Ticket zur EM in Birmingham.


Du trainierst in diesen Tagen in Gräfelfing – wie hälst du Verbindung zu deinem Heimatverein?
Ich komme immer wieder gerne nach Hause und freue mich dann, auf der Anlage zu trainieren, wo für mich alles begann. Ich habe immer noch einen sehr guten Kontakt zu meinem ehemaligen Trainer Helmar Schmidt. Die Trainingsgruppe von heute sieht aber ganz anders aus als vor drei Jahren. Aber das ist ja auch ganz normal.


Wie sieht dein verbleibender Wettkampffahrplan in diesem Sommer aus?
Ich nehme jetzt gerne die noch anstehenden Wettkampf-Highlights mit. Mitte August geht es dann wieder zurück in die USA. Meine Schwester ist dann mit dabei, sie startet dort mit einem Masterprogramm. Da helfe ich ihr beim Ankommen. Nach einer kleinen Pause greife ich dann im Herbst wieder mit dem Sport an.


Was treibt dich weiter an und was sind für dich realistisch erreichbare Ziele?
Ich hatte mal eine Phase, wo es mir schwerfiel, mich zu motivieren. Als ich dann im Februar in Blacksburg mit 4,47 Meter eine neue persönliche Bestleistung schaffte, hat es schon wieder mächtig gekribbelt. Ich bin sehr ehrgeizig und habe eigentlich immer Lust, mich weiter zu verbessern.


Wo du gewissermaßen schon vor Ort bist: Liegt dann auch schon Olympia in LA 28 auf deinem Horizont?
Olympia in LA in zwei Jahren ist natürlich ein Ziel. In Deutschland gibt es derzeit keine sehr starke Konkurrenz im Stabhochsprung der Frauen – leider! Aber in dem Fall gut für mich. In den Top 3 in Deutschland zu sein, erhöht die Chancen auf Olympia enorm. Dafür muss ich weiter möglichst hoch springen. Dann sehen wir, wo der Weg hinführt.


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