Wieder richtig fit werden...

"Wieder richtig fit werden und irgendwann im Deutschland-Trikot starten"

Wieder richtig fit werden und irgendwann im Deutschland-Trikot starten


Nach einer langen Leidenszeit kämpft sich Mehrkämpfer Jonas Henne zurück auf die Bahn. Der 2008 geborene Top-Athlet aus dem Nachwuchsteam Mehrkampf im TSV Gräfelfing spricht über Schmerzen, Rückschläge, seine Diagnose – und warum ihm der erste Zehnkampf der Saison wieder richtig Hoffnung gemacht hat.

Jonas, wenn man auf deine sportliche Entwicklung schaut, zeigte deine Leistungskurve im Mehrkampf in den vergangenen Jahren stets nach oben. Im August 2024 beim Zehnkampf in Hannover 6.303 Punkte – da war schon das internationale Niveau in Sicht. Doch dann ging es plötzlich nicht mehr weiter. Was war da los?

Jonas Henne: Bei der DM 2024 in Hannover mit 6.303 Punkten und Platz zwei meines Jahrgangs war die Motivation riesig für die Saison 2025. Nach einer nahezu reibungslosen Aufbauphase und starken Leistungen im Winter ging es ins Trainingslager nach Tenero in der Schweiz. Nach 14 erfolgreichen Trainingseinheiten war ich eigentlich bereit für den ersten Zehnkampf der Saison in Weingarten. Doch dort lief alles schief: schlechte Wetterbedingungen, mein Körper völlig ermüdet vom Trainingslager – trotzdem kamen noch 6.595 Punkte heraus, obwohl rechnerisch deutlich mehr möglich gewesen wären.

Kling richtig gut, aber was kam dann?

Beim nächsten Wettkampf in Bernhausen, der Qualifikation für das European Youth Olympic Festival, EYOF, konnte ich in der Vorbereitung kaum noch richtig trainieren. Ich hatte ständig Schmerzen, aber die Ursache war unklar. Waren es nur einfache Dysbalancen in der Muskulatur? In Bernhausen habe ich Tag 1 noch irgendwie durchgezogen und trotz Schmerzen zwei persönliche Bestleistungen geschafft. Am zweiten Tag kam dann der Sturz über die Hürden – damit war der Traum vom internationalen Start geplatzt. Danach war die Saison für mich beendet.

Wie ging es anschließend für dich weiter?

Nach vielen Versuchen, die Verletzung in den Griff zu bekommen, wurde schließlich ein MRT gemacht. Dabei kam ein großes Knochenmarködem im ISG-Bereich heraus. Weitere Bluttests ergaben dann noch einen zweiten Faktor: Rheuma. Bei Rheuma greift der Körper oft die eigenen Gelenke an. Dadurch entstehen Schmerzen, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen. Manche Formen können vererbt werden, aber meistens spielen auch Umwelt und das Immunsystem eine Rolle. Die Behandlung sieht inzwischen so aus, dass ich wöchentliche Spritzen bekomme, die mir vom Rheumatologen verschrieben wurden.

Konntest du damit überhaupt ernsthaft trainieren?

Die Wettkämpfe und Trainings mit Schmerzen konnte ich eigentlich nur absolvieren, indem ich versucht habe, das nicht richtig funktionierende Bein auszugleichen und die Schmerzen zu ignorieren. Wenn man sich Videos aus Bernhausen oder Leverkusen anschaut, erkennt man auch deutlich, wie unterschiedlich meine Beine gearbeitet haben.

Wie geht es dir heute? In Ulm warst du ja wieder beim ersten Zehnkampf der Saison am Start.

Meine aktuelle Situation sieht so aus, dass ich keine Schmerzen mehr habe und mich jetzt in einer intensiven Aufbauphase befinde. Ich trainiere zwar noch nicht wieder in den Umfängen wie vor der Verletzung, aber ich bin auf einem guten Weg dorthin. Das Wichtigste im Moment ist das Körpergefühl – zu wissen, was geht, wie ich mich fühle und wie weit ich gehen kann, ohne Schmerzen zu bekommen. Mein erster Wettkampf in Ulm Anfang Mai war deshalb sehr zufriedenstellend. Sechs Disziplinen an zwei Tagen schmerzfrei zu absolvieren und dabei die Leistungen abzurufen, die ich mir vorgenommen hatte, war ein großer Schritt. Darauf können wir jetzt aufbauen und sowohl Kraft als auch Technik weiter optimieren.

Was sind deine nächsten Ziele?

Mein Ziel ist es, jeden Tag besser zu werden, verletzungsfrei zu bleiben und weiter Spaß mit meinem Team zu haben. Langfristig bleibt natürlich auch das Ziel bestehen, irgendwann im Deutschland-Trikot zu starten. Im Moment bin ich aber vor allem glücklich darüber, meine Leidenschaft wieder genießen zu können.

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TSV Gräfelfing - Leichtathletik 2026